Fassaden – Dämmung alles was Du wissen musst

Die Außenwand ist die größte Fläche der Gebäudehülle und damit der zentrale Punkt, an Servus, ich bin’s wieder, Lukas dein Energieberater aus der sonnigen Hauptstadt Baden-Württembergs. Heute geht’s um ein Thema, das viele Hausbesitzer beschäftigt: Fassadendämmung.

Nach diesem Video weißt du ganz genau:

  • welche Dämmarten es gibt,

  • welche Fehler du unbedingt vermeiden musst,

  • welche Förderungen möglich sind

  • und ob sich die Investition für dein Haus wirklich lohnt.

Warum die Fassade so wichtig ist

Die Außenwand ist die größte Fläche deines Gebäudes, die direkt mit der Außenluft in Kontakt steht. Und genau deshalb ist sie einer der Hauptgründe für Wärmeverluste. Eine gute Fassadendämmung verbessert nicht nur den Energieverbrauch, sie steigert auch Komfort, Wohngefühl und langfristig den Wert deiner Immobilie.

Kurzer Blick in die Geschichte

  • 1977 – Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung (WSchVO) nach der Ölkrise. Start der systematischen Dämmung.

  • 1984 & 1995 – Verschärfungen der Verordnung.

  • 2002 – Energieeinsparverordnung (EnEV) kommt, kombiniert Wärmeschutz & Anlagentechnik.

  • 2020 – Gebäudeenergiegesetz (GEG), oft fälschlich als „Heizungsgesetz“ bezeichnet.

Damit war der Weg klar: Dämmung wird immer wichtiger, technisch wie politisch.

Die häufigsten Arten der Fassadendämmung

Wärmedämmverbundsystem (WDVS) – EPS & XPS

Die mit Abstand verbreitetste Methode, Warum?

  • einfache Verarbeitung

  • günstiger Dämmstoff

  • viele Malerbetriebe können es direkt ausführen

EPS

  • Hochleistungsdämmstoff auf Erdölbasis

  • wird vollflächig eingespachtelt (nicht nur ein paar Kleckse!)

  • Gefahr von Luftspalten → massive Dämmverluste

XPS

  • druckfest, feuchteunempfindlich

  • beliebt im Perimeterbereich (Kellerwände)

  • schwer entflammbar (B1)

Brandschutz: Steinwolle wäre sicherer, aber teurer. Ab bestimmten Gebäudeklassen sind Brandschutzriegel Pflicht, meist aber nicht bei Einfamilienhäusern.

Vorhangfassade (hinterlüftete Fassade)

Der „Luxus“ unter den Dämmarten:

  • Holzunterkonstruktion

  • Dämmung dazwischen

  • Folie, Lattung, äußere Verkleidung

Optisch extrem flexibel:
Holz, Keramik, Granit, HPL, Metallkassetten – alles möglich.
Nachteil: Kosten – rund 50 % teurer als WDVS.

Einblasdämmung (bei zweischaligem Mauerwerk)

Der Jackpot, wenn dein Haus dafür geeignet ist. Vor allem im Norden häufig, aber auch im Süden möglich. Aber warum wurden Gebäude überhaupt zweischalig gebaut?
Die Antwort ist ganz simpel: Zum Schutz vor Schlagregen wurde früher oft eine zweite Wand mit Hohlraum gemauert. Ohne diese Konstruktion würde die Feuchtigkeit der Elemente langsam in das Gebäudeinnere eindringen. Um das zu verhindern, hat man einfach eine zweite Wand davor gesetzt.

Und genau diesen Hohlraum nutzen wir heute:

Einfach EPS-Granulat oder feuchteunempfindliche Dämmstoffe einblasen und fertig.

Vorteile:

  • extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • schnelle Umsetzung

  • hervorragende Amortisationszeiten

Innendämmung

Nur die Notlösung – aber manchmal unvermeidbar, z. B. bei:

  • denkmalgeschützten Gebäuden

  • historischen Fassaden

  • Fachwerk

Große Risiken:

  • Wärmebrücken

  • Schimmel

  • Taupunktprobleme

  • Raumverlust

Empfehlung:

Nur diffusionsoffene, kapillaraktive Dämmstoffe verwenden z. B. Calciumsilikatplatten. Sie nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, haben hohen pH-Wert sodass Schimmelbildung nicht möglich ist und Schimmelbildung ist bei Innendämmung eine erhebliche Gefahr!

Typische Probleme bei Fassadendämmungen und warum sie so oft auftreten

Bei der Dämmung einer Fassade können zahlreiche Probleme entstehen, viele davon lassen sich jedoch im Vorfeld vermeiden, wenn man weiß, worauf man achten muss. Ein häufiger Punkt ist der Dachüberstand. Bei älteren Häusern ist dieser oft zu kurz bemessen. Wenn dann beispielsweise 15 cm Dämmung auf eine massive Ziegelwand aufgebracht werden müssen, ragt die Dämmebene plötzlich weiter heraus, als der Dachüberstand eigentlich schützt. Die Folge: Die frisch gedämmte Fassade ist Regen, Wind und Feuchtigkeit stärker ausgesetzt und das kann langfristig zu Schäden führen.

Ein weiterer klassischer Fehler entsteht bei der Befestigung der Dämmplatten. Viele denken, ein bisschen Kleber an ein paar Punkten reicht aus. Doch das führt fast immer zu Luftspalten. Diese Hohlräume wirken wie Kamine, durch die warme Luft entweichen kann. Die Dämmwirkung sinkt massiv. Entscheidend ist deshalb, den Kleber vollflächig aufzutragen und anschließend mit ausreichend Dübeln zu fixieren.

Auch bei den Anschlüssen, also an Fenstern, Türen, am Dach oder im Sockelbereich, passieren viele Fehler, sodass Wärmebeückenentstehen. Wenn diese Übergänge nicht sauber ausgeführt werden, können Feuchtigkeit und kalte Außenluft eindringen. Die Folgen reichen von Wärmeverlusten über Tauwasserbildung bis hin zu ernsthaften Bauschäden und Schimmel. Genau deshalb ist eine fachgerechte Planung und Ausführung hier so wichtig.

Förderungen für die Fassadendämmung, wie viel Geld du wirklich zurückbekommst

Wer seine Fassade dämmt, kann in Deutschland von attraktiven Förderungen profitieren. Wichtig ist zu verstehen, dass man dafür bestimmte technische Anforderungen erfüllen muss. Der Gesetzgeber fordert beim Dämmen der Außenwand laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) einen U-Wert von 0,24 W/(m²·K) als Mindeststandard. Wer jedoch eine Förderung möchte, muss etwas weiter gehen und einen U-Wert von 0,20 W/(m²·K) erreichen. Der Unterschied ist gering und erfordert nur etwas mehr Dämmstoff und deshalb lohnt es sich fast immer, gleich den besseren Wert anzustreben.

Die Förderlandschaft ist zweigeteilt:

  • 15 % Zuschuss für eine Einzelmaßnahme bis 30.000 €

  • 20 % Zuschuss bis 60.000 €, wenn zusätzlich ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) vorliegt

Ein Beispiel macht das Ganze greifbar:
Angenommen, die Fassadendämmung kostet 40.000 €.
Ohne iSFP erhält man 15 % auf 30.000 €, also 4.500 €.
Mit iSFP dagegen bekommt man 20 % auf die gesamten 40.000 €, also 8.000 € Förderung. Selbst wenn der Sanierungsfahrplan selbst etwa 1.000 bis 1.500 € kostet und teilweise ebenfalls gefördert wird, bleibt ein deutlich größerer finanzieller Vorteil.

Ein zusätzlicher Pluspunkt: Wer einen iSFP erstellt, kann ihn später für weitere Maßnahmen nutzen, etwa für Dach, Fenster oder Heizung. Damit spart man langfristig noch mehr.

Amortisation: wie schnell sich eine Dämmung wirklich rechnet

Viele Hausbesitzer fragen sich: „Wann zahlt sich das Ganze eigentlich aus?“ Um das besser zu verstehen, reicht oft ein vereinfachtes Beispiel, das ein Gefühl für die Größenordnung vermittelt.

Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit einem Heizölverbrauch von 3.500 Litern pro Jahr. Bei einem Preis von 1,00 € pro Liter entstehen jährliche Heizkosten von 3.500 €. Wenn die Fassade 50 % der gesamten Hüllfläche ausmacht und der U-Wert durch die Dämmung von 1,4 auf 0,2 verbessert wird, reduziert sich der Wärmeverlust über die Fassade um rund 85 %. Auf den Gesamtverbrauch umgerechnet bedeutet das eine Einsparung von etwa 42–43 %, also rund 1.500 Liter Heizöl pro Jahr.

Das entspricht einer Ersparnis von 1.500 € jährlich.

Teilt man die Investitionskosten von 40.000 € durch diese jährliche Einsparung, ergibt sich eine Amortisationszeit von etwa 26–27 Jahren.

Doch dieser Wert ist nur ein Basiswert und in der Realität meist kürzer. Denn die Rechnung berücksichtigt nicht:

  • die Heizölpreisentwicklung, die in den letzten fünf Jahren stark gestiegen ist

  • die zunehmende CO₂-Abgabe, die fossiles Heizen weiter verteuern wird

  • den gesteigerten Wohnkomfort, den viele als echten Mehrwert empfinden

  • die Tatsache, dass eine gute Dämmung oft auch die Vorlauftemperatur von Wärmepumpen reduziert, diese laufen dadurch effizienter und günstiger

Wer langfristig im eigenen Haus bleiben möchte, profitiert daher nicht nur finanziell, sondern auch energetisch und wohnklimatisch deutlich.

Fazit

Eine Fassadendämmung ist kein Schwarz-Weiß-Thema.
Man muss das Gebäude individuell betrachten:

  • Bauzustand

  • geplanter Zeithorizont

  • regionale Witterung

  • Fördermöglichkeiten

Aber: Wer in einem Altbau wohnt und dort langfristig bleiben will, sollte sich unbedingt mit dem Thema beschäftigen. Die Vorteile sind enorm: energetisch, finanziell und beim Wohnkomfort.

Über Lukas Münzner

Über Lukas Münzner
Lukas Münzner ist Fachingenieur für TGA und Gebäudeenergieberater (HWK) mit Spezialisierung auf die Optimierung von Heizungsanlagen für maximale Energieeffizienz. Er arbeitet nach den höchsten Standards, einschließlich DIN EN 12831 und Verfahren B.

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